Dauerausstellung

Vom Garn zum Hemd: Textilgeschichte live

Vorgestellt werden die diversen, sich wandelnden handwerklichen, halbmechanischen und maschinellen Verfahren der Herstellung eines textilen Gewebes von der Naturfaser bis zum fertigen Produkt. Vor allem die für das Wuppertal typischen textilen Techniken: Bleichen, Spinnen, Weben und Flechten.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, der Zeit des anhebenden „Garnhungers“, verändern sich die Produktionsverfahren und -prozesse durch beschleunigte Innovationen vor allem im technischen Bereich. In manchen Sektoren konnte die Produktivität um mehr als das 200fache gesteigert werden. Auch konnten neue Produkte auf den Markt gebracht werden, verbunden wesentlich mit der Umstellung von Leinen- auf Baumwollprodukte und auch Seide: Vom einfachen, farblosen oder weißen Leinenband zu bunten, gemusterten Bändern; von Schnürriemen und Litzen zur Spitzenproduktion; vom Leinentuch zu gemusterten oder bedruckten Baumwollgeweben und Seidentüchern.

Textilgeschichte 


Textilgeschichte

Von der Handarbeit zur Maschine: Textiltechnik im Wandel

Der entscheidende Umbruch in der Textiltechnik erfolgte im 18. Jahrhundert mit der Industriellen Revolution in England. In einem noch nie da gewesenen Tempo wurde innerhalb von 60 Jahren eine jahrhunderte-, teilweise sogar jahrtausende alte Technik mechanisiert und automatisiert. Im Textilgewerbe wurden Maschinen zum Spinnen entwickelt, die die Leistung der alten Spinnräder weit übertrafen. In Verbindung mit Wasser- oder Dampfkraft konnte die Garnproduktion fast unbegrenzt gesteigert werden.

Etwas später wurden auch Handwebstühle durch mechanische Webstühle ersetzt. Es entstanden Spinn- und Webfabriken, mit deren Massenproduktion die Textilhandwerker nicht mehr konkurrieren konnten. Auf dem Kontinent fand die Industrialisierung etwas später statt als in England; zu den Vorreiterregionen gehörte das Tal der Wupper. Die Region wurde zugleich Standort eines frühen Technologietransfers, besonders aus England, Frankreich und Belgien. Die technischen Neuerungen im Produktionsprozess hatten wiederum Veränderungen im Arbeitsablauf und in der Arbeitsorganisation zur Folge, die im Zuge der Mechanisierung fortlaufend arbeitsteiliger gestaltet wurden. Die Städte Barmen und Elberfeld entwickelten sich während dieser Periode einerseits zu industriellen und kommerziellen Mittelpunkten, aber zugleich auch zu sozialen Brennpunkten.

Technikgeschichte


Technikgeschichte

Massenelend, Wohnungsnot und Kinderarbeit: Soziale Folgen des Industrialisierungsprozesses

Die fortschreitende Industrialisierung führte bereits in den 1830er und 1840er Jahren im Wuppertal zur Massenverelendung der „arbeitenden Klassen“.

Nach dem Muster des Elberfelder Systems wurde fast jeder fünfte Einwohner um 1850 unterstützt. Etwa 18 % der Bevölkerung lebten unter dem Existenzminimum. Hunger war alltäglich, die hygienischen Verhältnisse in den Elendsvierteln waren katastrophal. Die reichen Bürger fühlten sich verantwortlich, waren aber ohnmächtig gegenüber den tiefgreifenden sozialen Folgen des Umbruchs von der handwerklichen zur industriellen Produktionsweise.

Zahlreiche Zuwanderer aus östlichen Gebieten verschärften die Wohnungsnot. Erst der Mietwohnungsbau privater Investoren und die Gründung gemeinnütziger Baugesellschaften in den 1870er Jahren entspannte die Lage am Wohnungsmarkt.
Die Kinderarbeit nahm in der frühindustriellen Phase stark zu und stieg bis etwa 1890 auf ihren höchsten Stand. Die Gründe für Kinderarbeit waren bis heute: Armut, fehlende Bildung, Profitgier.

Auch die Kirche fand keine effektive Lösung der sozialen Frage. Allein durch fromme Lebensführung waren die materiellen Probleme der Arbeiter und Handwerker nicht zu verbessern. Erst in der Sozialgesetzgebung Bismarcks und den Weimarer Reformjahren konnte ihre Notlage abgemildert werden.

Sozialgeschichte


Sozialgeschichte

Religionsgeschichte Wuppertals

Das Tal der Wupper ist seit der Reformation ein Hort für verschiedene Religionen und religiöse Gruppierungen.  Im 16. Jahrhundert trat die Gemeinde Elberfeld fast geschlossen zum Protestantismus über, während andere Teile des ‚Wuppertales‘ katholisch blieben. Dies war zu der Zeit einzigartig in Deutschland und nur möglich, da die bergischen Herzöge kaum in die Religion ihrer Untertanen eingriffen. Das ‚Wuppertal‘ wurde zu einem Ort, an dem mehrere Konfessionen nebeneinander existierten und sich ihrer Gemeinsamkeiten, aber vor allem auch ihrer Unterschiede bewusst waren.

Nach den Bemühungen der Reformation verkümmerte der gelebte Glaube zu einem reinen Lehrgebäude. Das Aufkommen des  Pietismus ist als Gegenbewegung gegen ein derartig starres Glaubensverständnis zu verstehen. Elberfelder und Barmer Bürger nahmen im 18. Jahrhundert die Religion selbst in die Hand. Sie gründeten religiöse Hausgemeinschaften und schlossen sich zu spirituellen Zirkeln zusammen. Auch wenn diese Gruppierungen unterschiedlich streng waren, einte sie doch eine gelebte Frömmigkeit und Bibeltreue. Es gründeten sich Missions- und Bibelgesellschaften. Ziel war, dass der Mensch, stärker als zuvor, am Bau des Reiches Gottes auf Erden mitwirken sollte.

Aus dieser Bewegung, vermischt mit dem neuen Gedanken der Aufklärung,  bildete sich im 19. Jahrhundert aus der calvinistischen Prädestination eine protestantische Ethik heraus, in der die Arbeit zu einem zentralen Lebensinhalt und zum Gottesdienst erhoben wird. Der Philosoph und Soziologe Max Weber (1864-1920) sah hierin eine religiöse Auffassung zwischen „Seelenheil und Geschäftsbilanz“. Schließlich trat die göttliche Offenbarung zugunsten einer weltlichen Moral zurück. Es entwickelte sich eine Glaubensrichtung, in der Gott eine immer größere Distanz zu den Menschen einnahm und der Gläubige rein Gottes Gnade und seinem alles überragenden Willen unterworfen war. Durch die Ferne Gottes wurde ein göttliches Eingreifen in den Alltag immer weniger vermittelbar. Dadurch ging der Einfluss der Kirche auf das Handeln der Menschen auch im ‚Wuppertal‘ immer mehr verloren.

Wenn Sie mehr zur Religionsgeschichte in Wuppertal wissen möchten, können Sie sich einen ausführlicheren Bericht als pdf herunter laden.